Ehrenamt in der Corona Pandemie: Das THW

Aktuell befindet sich das Technische Hilfswerk, wie auch viele andere Hilfsorganisationen, mitten im Einsatz zur Corona-Pandemie in Deutschland. Das stellt nicht nur die uns alle vor ganz besondere Herausforderungen. Ebenso ist das THW mit den Beschränkungen in allen Bereichen konfrontiert und versucht den besten Mittelweg aus Schutz der eigenen Helferinnen und Helfer und der Hilfe für die Bevölkerung zu finden. 

Zwar sind aktuell die normalen Ausbildungsdienste und Kamaradschaftsabende gestrichen – das bedeutet aber nicht, dass das THW nicht trotzdem alle Hände voll zu tun hätte.  

So hat das THW verschiedene Logistikstützpunkte in ganz Deutschland aufgebaut, von denen aus palettenweise Schutzausrüstung an die notwendigen Stellen, wie Ärzte, Krankenhäuser und die Gesundheitsämter transportiert werden. +

Quelle: THW

In den vergangenen zehn Wochen haben die Helferinnen und Helfer zudem neben logistischen Aufgaben und Fachberatungen unter anderem auch mit dem Aufbau von Bedarfskrankenhäusern oder in Corona-Teststationen unterstützt. 

Insgesamt sind deutschlandweit seit dem offiziellen Beginn der Pandemie in Deutschland rund um die Uhr ca. 700 Einsatzkräfte unterwegs. 3000 Einsatzstunden zählt beispielsweise allein der Ortsverband Rastatt (Baden-Württemberg) im Zuge der dieser Krise. Hier unterstützen THW-Kräfte seit knapp zwei Monaten die Bundespolizei an der Grenze zu Frankreich in Iffezheim. Wo sonst Pendler und Reisende frei verkehren, haben die Helferinnen und Helfer beheizte Zelte, eine mobile Tankstelle und eine mobile Werkstatt für die Bundespolizei errichtet. Außerdem sorgen sie für die angemessene Beleuchtung des Grenzübergangs. Für den Ortsverband ist dies der längste Einsatz der Geschichte. 

Nicht nur vor Ort ist das THW gefragt: Auch in den Krisenstäben von Kommunen und Ländern sitzen Verbindungspersonen aus verschiedenen THW-Ortsverbänden. Zum Beispiel im Kompetenzzentrum Großschadenslagen des Landes Niedersachsen (KomZ) beraten seit Mitte März drei Ehrenamtliche des THW die Verantwortlichen als Fachberater. In einem Drei-Schicht-System eruieren und analysieren sie die Lage und beraten, mit welchen Mitteln das THW oder andere Institutionen unterstützen können. Auf Landesebene handelt es sich dabei vor allem um logistische Aufgaben, während technische Hilfe vorrangig von Gemeinden und Behörden angefordert wird. 

Das Spannende neben den zahlreichen Einsätzen ist aber der gleichzeitig etablierte neue, digitale THW-Alltag. Ob Corona-Austausch, Ausbildungsinhalte, Dienstbesprechungen oder ortsverbandsübergreifende Fachgruppenvorstellungen, die Helferinnen und Helfer verlagern viele Teile des THW-Lebens während Corona ins Netz. Es gab in der Vergangenheit noch keine Einsätze, die derartige Methoden gefordert haben – das THW war auf diesen eingeschränkten Normalbetrieb, wie auch Unternehmen und Schulen, in dieser Weise nicht vorbereitet. Umso beeindruckender ist die Kreativität der verschiedenen Organisationseinheiten damit umzugehen. 

Quelle: THW

Kreative Lösungen für die online Ausbildung gab es z.B. im THW Ortsverband Bad Honnef für die Ortsjugendgruppen. Damit diese das Thema „Stiche und Bunde“ auch praktisch üben konnten, bedurfte es einer speziellen Vorbereitung. Schnürsenkel oder Bindfäden rückten anstelle der üblichen Halteleinen und ermöglichten es den Jugendlichen, einige Stiche und Bunde zu üben. Auch online gaben die Jugendlichen sich untereinander Hilfestellungen und unterstützten sich gegenseitig. Während neue Junghelferinnen und -helfer so zum ersten Mal erfolgreich wichtige „Knoten“ kennenlernten, übten die älteren Jugendlichen für die bevorstehenden Prüfungen für das Leistungsabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Wenn schon nicht persönlich vor Ort, dann doch zumindest im digitalen Leben. 

Sackstich, Doppelstich

Quelle: THW

Beispielsweise hat auch der Ortsverband Lauenburg eine Ausbildungsbox für das Thema Stiche & Bunde entwickelt. Dort ist zur Vorbereitung auf die Prüfung alles notwendige enthalten, um im Kleinen die verschiedenen Knotentechniken zu lernen. 

Diese Box hat sich im THW intern so schnell herumgesprochen, dass inzwischen Bundesweit die Ortsverbände dort nach eigenen Boxen anfragen. Die Helfer in Lauenburg kommen inzwischen gar nicht mehr mit der Produktion hinterher. 

Auch im bayerischen Ortsverband Günzburg setzt man aktuell auf eine digitale Fortführung der Ausbildungen. Gleich bei dem ersten Testlauf der Online-Ausbildung nahmen 21 Helferinnen und Helfer teil. Neben interaktiven Live-Kursen, die die teilnehmenden THW-Kräfte via Webcam verfolgen konnten, richteten die Verantwortlichen des Ortsverbandes eine komplette Online-Plattform ein. Darüber können fortan die Kursteilnehmenden ihre Ausbildungsunterlagen und die neuesten Informationen rund um das THW herunterladen. 

Dort schließen sich nun auch die drei THW Ausbildungszentren an, die immer mehr Lehrgänge, u.a. für die Führungskräfte, digital als Webinar anbieten. Natürlich inkl. komplettem, digitalem Material und mit offizieller Freistellung von der Arbeit. 

Insgesamt zeigt hier auch mal wieder die Fähigkeit zum Improvisieren – denn das THW ist ein großes Baukastensystem, das von seinen kreativen Ehrenamtlichen lebt. Sowohl im Einsatz, als auch bei den alltäglichen Diensten drumherum. 

Quelle: u.a. THW.de, Ortsverband Bad Honnef, THW Extranet, THW Ahrensburg 

 

Hauke Thomsen